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"Oft ist's der eigne Geist, der Rettung schafft, die wir beim Himmel suchen." (Helena)

William Shakespeare
(23.04.1564 - 23.04.1616)

Flyer Sternenkinder

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Projekt Sternenkinder - Schaffung eines Gedenk-und Trauerortes für früh verstorbene, fehlgeborene und verlorene Kinder in Stralsund

 

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1. Basisinformation:

Projektstart:

Am 13.04.2016 fanden sich zum ersten Mal Vertreterinnen verschiedener Initiativen und Einrichtungen zusammen, um über die mögliche Schaffung eines Gedenk-und Trauerortes für früh verstorbene, fehlgeborene und verlorene Kinder in Stralsund zu beraten. Bei darauffolgenden regelmäßigen Treffen wurde über Bedarfe und Umsetzungsmöglichkeiten des Vorhabens gesprochen, so dass sich dieses stetig weiterentwicklete.

Projektgruppenmitglieder:

-        Frau Ehlert ( Ausschussvorsitzende in der Bürgerschaft der Hansestadt Stralsund für Familie, Sicherheit und Gleichstellung )

-        Frau Kindler ( Mitglied der Bürgerschaft der Hansestadt Stralsund )

-        Frau Schubert (Leiterin Städtischer Zentralfriedhof)

-        Frau Czernik (ambulanter Kinderhospizdienst OSKAR der Stadtmission Rostock)

-        Frau Landgraf ( Leiterin Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen)

-        Frau Dr.med.Duwe (Oberärztin der Gynäkologie des HELIOS Hanse Klinikums)

-        Herr Lehnert ( Pastor St. Mariengemeinde)

-        Frau Dr. phil.Völker (Psychologische Psychotherapeutin am HELIOS Hanse Klinikum - Klinik für Psychiatrie/Klinik für psychosomatische Medizin)

-        Fr. Claudia Godow (Ergotherapeutin am HELIOS Hanseklinikum)

Kontaktpersonen im Projekt sind:

-        Hansestadt Stralsund,Der Oberbürgermeister

       Eva Schubert, Eigenbetrieb Städtischer Zentralfriedhof,Heinrich-Heine-Ring 77, 18435 Stralsund

-        Kirchengemende St. Marien

Pastor Lehnert, Marienstr. 16, 18439 Stralsund

Angestrebt wird die Erweiterung der Gruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der Berufszweige: Geschäftsführung des Helios Hanseklinikums, Frauenarzt, Kinderarzt, Allgemeinmediziner, Hebamme, Psychologe, Psychotherapeut, professioneller Trauerbegleiter, Krankenhausseelsorge, Schwangerschaftsberatungsstellen

Erwartungen an zukünftige Projektpartner:

-        Identifikation mit den beschriebenen Zielen

-        diese Ziele in den eigenen beruflichen und ggf. privaten Bezügen bekannt machen und dadurch zu deren Verwirklichung beitragen

-        ggf. Spendenbereitschaft bei potentiellen Förderern wecken und die entsprechenden Daten weitergeben

-        Betroffene persönlich ansprechen und auf diese neu zu schaffende Trauer- und Gedenkstätte mit den aufzubauenden Ritualen hinzuweisen

-        potentielle Partner ausfindig machen

 

2.Projektbeschreibung

Trauer ist eine gesunde, lebensnotwendige und kreative Reaktion der Seele und des Körpers auf Verlust und Trennungsereignisse. Sie ist dem Menschen angeboren. Trauer umfasst ein weites Gefühlsspektrum: Ärger, Wut, Hilfslosigkeit, Verzweiflung, Trotz, Schuldgefühle aber auch Erleichterung gehören mit dazu. Trauer hat für die betroffenen Menschen u.a. folgende Aufgaben: die Realität des Verlustes anzuerkennen, den Abschiedsschmerz zu durchleben, Erinnerungen zu bewahren und den Gestorbenen in das eigene Leben zu integrieren sowie eine neue Identität (ohne den Gestorbenen) zu entwickeln. Trauer braucht Entwicklung und Ausdruck von Gefühlen, Raum, Zeit, Gemeinschaft und Rituale. Sie wird immer höchst individuell erlebt.

Trauer- „Arbeit“ ist vom Wesen her etwas anderes als Erwerbs- und Familienarbeit. Ihr Erfolg ist weniger deutlich zu erkennen und oft nur von kurzer, nicht klar abgrenzbarer Dauer. Man kann sagen, dass jeder Betroffene seine Trauer individuell erlebt. Niemand vermag zu sagen, wie Trauer auszusehen hat. Sie wird in einer Vielfalt erlebt, weil Trauernde auf all ihren persönlichen Ebenen Veränderungen erleben. Den Tod als tatsächlich und endgültig begreifen, Gefühle spüren und ausdrücken, neue Wege im veränderten Leben finden sowie eine neue Beziehung mit dem Verstorbenen etablieren sollte Aufgabe guter Trauerarbeit sein.

Wenn ein kleines, so hoffnungsvoll erwartetes Kind viel zu früh geboren wurde, um leben zu können oder nach 9 Monaten Schwangerschaft bei der Geburt oder kurz nach der Geburt stirbt, so ist das eine besonders schmerzvolle Erfahrung und ein Schock. Was kommt danach? Eine unfassbare Trauer. Was geschieht mit dem Kind, dessen Leben endete, bevor es begann? Diese Frage beschäftigte früher wie heute Eltern und Familienangehörige, deren Kind gestorben ist. Manche fragen sich vielleicht, ob es angemessen sei, um ein Kind zu trauern, das nicht einmal auf der Welt war. Aber auch zu diesem Kind ist häufig schon längst eine Beziehung gewachsen.

Und dann gibt es noch die Kinder, deren Verbleib vor dem Hintergrund der DDR Geschichte ungewiss ist. Obwohl seit der Wende viele Jahre vergangen sind, gibt es bis heute noch zahlreiche Menschen, die Opfer von DDR-Unrecht geworden sind. So geht es auch Betroffenen auf der Suche nach ihren verlorenen Kindern. Nach der Geburt wurde das Kind nie wieder gesehen. Quälende Ungewissheit begleitet die Eltern, die nicht wissen, ob ihr Kind gestorben ist und in ein fremdes Grab beigelegt wurde oder ob es lebt.

In jedem Fall ruft der Verlust eines Kindes Reaktionen wie Angst, Hilflosigkeit, Wut auf, egal zu welchem Zeitpunkt der Verlust eingetreten ist. Um überhaupt damit umgehen zu können, brauchen sie die Möglichkeit, auf ihre ganz persönliche Weise Abschied zu nehmen und den Verlust annähernd verarbeiten zu können.

Trauer durchleben heißt auch, irgendwann wieder eine Zeit erleben zu können, die nicht nur der Verzweiflung um den frühen Tod gehört. Es ist für alle, für Mütter und Väter, Eltern, Geschwister, die ganze Familie und das Sternenkind wichtig, dass dieser Abschied Raum bekommt. An einem würdevollen Trauerort sollen die Angehörigen Kraft und Mut bekommen, die Lebenslast um das Sternenkind zu tragen und trotzdem die Hoffnung und Freude am Leben wieder zu finden, für sich selbst und die Menschen, die zu ihnen gehören.

Die Projektgruppe Sternenkinder setzt sich für die Schaffung eines Gedenk- und Trauerortes in der Hansestadt Stralsund ein.

Ausgangslage und gesetzliche Grundlage:

Bisher wurden fehl- und totgeborene Kinder bis 1000 g Geburtsgewicht in Greifswald im Rahmen des Schmetterlingsprojekts beigesetzt. Zweimal im Jahr wurden Eltern auf Wunsch zu einer Trauerfeier eingeladen. In Greifswald wurde auch eine Selbsthilfegruppe gegründet. Die Aufklärung darüber und die Betreuung der Eltern erfolgte in der Frauenklinik Stralsund.

Nach dem Gesetz über das Leichen-, Bestattungs- und Friedhofswesen im Land Mecklenburg-Vorpommern (Bestattungsgesetz - BestattG M-V) vom 3. Juli 1998 sind alle totgeborenen Kinder unter 1000 g Geburtsgewicht sowie alle fehlgeborenen Kinder und Feten aus Schwangerschaftsabbrüchen ab der 12. SSW von der Einrichtung, in der sie geboren wurden, auf einem Friedhof beizusetzen.

Bedarf:

Im Jahr 2016 waren wurden ungefähr 30 Kinder aus Stralsund im Rahmen des Schmetterlingsprojekts in Greifswald beigesetzt. Die überwiegende Mehrzahl der Angehörigen hat ein Einladung zur Trauerfeier gewünscht. Die heimatnahe Beisetzung und Schaffung eines Trauerortes auf dem hiesigen Friedhof ist daher erforderlich.

 

3. Ziele:

-        auf dem Zentralfriedhof eine Trauer- und Gedenkstätte schaffen, die einen würdigen Ort der Trauer, des Gedenkens und des Trostes bietet

-        durch angemessene Handlungen die Möglichkeit des Abschiednehmens bieten und die Innigkeit mit dem Sternenkind herstellen

-        Hoffnung, Mut und Trost schenken

-        ganzheitliche Begleitung Betroffener ( Seelsorge, professionelle Trauerbegleiter, psychologischer Dienst, Selbsthilfegruppen)

-        Möglichkeiten eröffnen, durch Gruppen Betroffener ein Gemeinschaftsgefühl zu vermitteln (ich bin in meiner Trauer und Verzweiflung nicht allein)

-        seelische Räume öffnen und neue Denkstrukturen anbieten

-        dadurch möglicherweise entstehende Isolation, Ausgrenzung und Verdrängung verhindern

-        Kontaktmöglichkeiten herstellen

-        Erinnerungskultur schaffen

 

Zielgruppe:

Eltern und Angehörige von Sternenkindern, Eltern von:

-        fehlgeborenen Kindern

-        totgeborenen Kindern

-        verlorenen Kindern (unklarer Verbleib)

 

4. Projektstruktur

Gestaltung der Grabanlage

Das Sternenkinderfeld befindet sich auf dem Zentralfriedhof in Stralsund. Es stellt einen Gedenk- und Trauerort für "nicht bestattungspflichtige" Früh- und

Totgeborene sowie verlorene Kinder dar. Um eine mittig angeordnete Skulptur

befinden sich Pflanzflächen und Aufenthaltsflächen. Die Ausstattung mit einer Skulptur, einer Bank und einem Holzschild mit einem Gedicht wurden durch den Holzbildhauer Eckard Labs hergestellt und eingebaut.

 

Einweihung

Die Grundsteinlegung erfolgte im feierlichen Rahmen am 20.09.2017.

  

Gedenkfeier

Die Planung und Organisation von Gedenkfeiern könnte wie folgt aussehen:

-       2 x jährlich Bestattungen und Gedenkfeier mit kirchlicher und städtischer Beteiligung

-       1. Halbjahr: erster Sonntag im Juni

-       2. Halbjahr: zweiter Sonntag im dezember/ Welt-Gedenktag für Sternenkinder

-       Die Festlegung der Termine ist wichtig, um eine Verbindlichkeit und Verlässlichkeit herzustellen.

Die Nachsorge der Hinterbliebenen ist durch spezifische Angebote der Koopertionspartner vorgesehen.